top of page

Kunst statt Dienstleistung, Geschichten statt Schubladen

  • 24. Sept. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Nov. 2025

Was bedeutet es, Fotograf:in zu sein?

Ist Fotografie Kunst – oder Dienstleistung?


In meinem Umfeld kam fast immer die gleiche Antwort: Ein Fotograf oder eine Fotografin hält Bilder für andere Leute fest. Sprich: Auftragsarbeit.


Und wer nicht auftragsgetrieben arbeitet? „Dann ist es eben nur ein Hobby.“

Heißt das, wenn man sich Fotograf:in nennen möchte, muss man eine Dienstleistung erbringen?


Fotografie zwischen Schublade und Definition


Ich bin dieser Definition einige Jahre gefolgt. Habe für Geld Menschen und ihre Pferde fotografiert, Erinnerungen festgehalten und Erwartungen erfüllt. Ich habe versucht, mich in diese Schublade zu pressen.


Nur – was, wenn man nie in diese Schublade gepasst hat?


Um mich herum waren immer schon erfolgreiche Menschen. Familie, Freunde, Bekannte mit großen Zielen, Erfolgen und Anerkennung. Einige selbstständig, andere in hohen Positionen. Das beeindruckt und schafft Erwartungen.


Ein Pferd steht am Hang im Nebel. Bäume bilden im Vordergrund ein Torbogen durch den man auf das Pferd schaut.

Mit 20 also ein eigenes Fotografie-Gewerbe zu gründen, schien mir damals wie die richtige Entscheidung. Ein eigenes Projekt, mit dem ich arbeiten konnte – vielleicht ein Weg, um näher an diese Menschen und ihre Erfolge heranzukommen.


Mein Plan: eine Dienstleistung anbieten, verkaufen, mir neben dem Studium etwas dazuverdienen. Fotografie hatte mir ja schon vorher Freude gemacht – meine Pferde aus allen Blickwinkeln, die Kamera auf Reisen, unzählige Handyfotos.


Es sollte also leicht sein, so ein Gewerbe aufzubauen.


Spoiler: Ist es nicht.



Erkenntnisse auf dem Weg


Springen wir ins Jahr 2025, März bis Mai. Drei Shootings: zwei Freundinnen mit ihren Pferden, eine Sonderaktion in einer Mandelplantage. Beim Fotografieren war es großartig. Dieses Hochgefühl, das ich schon immer hatte, wenn ich durch den Sucher schaue. Die Stimmung, das Klicken, das Festhalten. Die ersten Ergebnisse auf dem Kameradisplay, alle waren happy.


Doch sobald ich wieder zuhause war, änderte sich etwas. Ich übertrug die Bilder, öffnete Lightroom – und die Euphorie kippte. Die Freude am Moment wich dem Druck, Erwartungen erfüllen zu müssen. Die Arbeit am Rechner fühlte sich schwer und fremd an, nicht wie mein eigener Ausdruck.


Da wurde mir klar: Die Dienstleistung Fotografie erfüllt mich nicht. Was mich antreibt, ist das Erleben, das Sehen, das Einfangen – nicht das bloße Abliefern von Ergebnissen.


„Mach es doch fürs Geld!“


Und genau hier kam meine wichtigste Erkenntnis: Geld ist kein Motivator für mich. 


Es ist notwendig, um unser Leben zu finanzieren, aber nicht das, was mich antreibt.

In meinem Hauptberuf verdiene ich genug, um gut zu leben – und dort arbeite ich in einem Bereich, der mich erfüllt: Entwicklung, Fortschritt, Verbesserung. Das motiviert mich.


Fotografie motiviert mich dann, wenn ich etwas festhalten darf, das mich berührt. Wenn ich zeigen kann, wie ich die Welt sehe. Mehr als das Offensichtliche. Farben, Ausschnitte, Bearbeitung schon im Kopf haben – das ist es, was mich begeistert.



Von der Dienstleistung zur Kunst


Und genau da liegt das Problem: Bei Aufträgen geht es nicht um das, was ich sehe. Sondern darum, Erwartungen anderer zu erfüllen. Wenig Raum für Experimente, keine Freiheit für Interpretation.


Fotografie als Dienstleistung fühlte sich für mich an wie Fließbandarbeit: unterschiedliche Gesichter, gleicher Ablauf. Das erstickte meine Freude – und genau das will ich nicht mehr.


Es gibt viele großartige Fotograf:innen, die genau das mit Leidenschaft tun: Erinnerungen festhalten, Emotionen einfangen, Menschen zum Strahlen bringen. Ich habe Freund:innen in der Szene, die darin vollkommen aufgehen. Und ich bewundere sie dafür.


Aber ich tue das nicht. Denn das bin nicht ich.


Manche würden sagen: selbstsüchtig. Für mich ist es ehrlich.


Die letzten Monate habe ich mich gefragt: Wer bin ich eigentlich? Und was will ich wirklich tun?


Die Antwort: Ja, ich bin Fotografin. Aber nicht als Dienstleisterin. Sondern als Künstlerin.

Fotografie ist für mich kein Auftrag.

Fotografie ist Ausdruck, Geschichte, Gespräch.


Ein Schwarzwälder Kaltblust steht in herbstlicher Umgebung. Es wird dabei von der Sonne angestrahlt und schaut in die Ferne.


Zurück zu den Wurzeln – mit Blick nach vorn


Es geht für mich zurück zum Anfang.

Zu den Basics.

Zu meinem Lieblingsmotiv: den Pferden.


Ich möchte Charaktere zeigen, Geschichten erzählen, Emotionen sichtbar machen. Ich möchte Bilder schaffen, die Fragen aufwerfen, Gedanken anstoßen, träumen lassen. Mal nah, mal fern. Mal intuitiv, mal geplant. Aber immer frei.


Keine Schublade mehr, in die ich nie gepasst habe.


Im April habe ich meinen ersten Workshop gegeben – und er hat mir unendlich viel Freude bereitet. Austausch, Lernen, gegenseitiges Wachsen. Das möchte ich weiterführen.


Fotografisch heißt das: mehr freie Projekte, Motive, die mich faszinieren. Die Modelkartei ist ein Teil davon.


Ich arbeite nicht mehr als klassische Dienstleisterin. Aber es gibt die Möglichkeit, gemeinsam Bilder entstehen zu lassen – unter meinen Bedingungen, mit meinem künstlerischen Ansatz. Weniger feste Erwartungen, mehr Vertrauen. Weniger Plan, mehr Raum für Überraschung.



Gedanken teilen, Geschichten weiterschreiben


Ich freue mich, wenn du mich auf diesem Weg begleitest – in den nächsten Wochen, Monaten, Jahren. Hier auf meinem Blog oder auch auf Instagram.


Vielleicht erkennst du dich in manchen Gedanken wieder. Dann schreib mir gerne: über mein Kontaktformular oder auf Instagram und Facebook.


Ich bin gespannt auf die Geschichten, die Begegnungen, die Abenteuer.

Auf weniger Erwartungen.

Mehr Freiraum.

Mehr ich selbst.


Als Fotografin.

Als Mensch.

Als Pferdemädchen.

bottom of page